Vom FidoNet zum Internet
Diese Seite ist ein persönlicher Rückblick. Sie beschreibt meine Anfänge in einer Zeit, in der digitale Kommunikation noch spürbar „handgemacht“ war: Mailboxen, Modems, nächtliche Verbindungen und eine Gemeinschaft, die sich über Regeln, Neugier und gegenseitige Hilfe organisiert hat.
Der Weg vom FidoNet zum Internet ist mehr als eine technische Entwicklung. Er steht für einen Wechsel von dezentraler, selbst betriebener Kommunikation hin zu immer stärker zentralisierten Plattformen. Genau deshalb ist dieser Rückblick nicht nur Erinnerung, sondern auch ein stiller Bezugspunkt für heutige Grundsatzfragen.
Diese Seite ist ein biografischer Text im EDV-Archiv. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder technische Detailgenauigkeit, sondern dokumentiert Erfahrungen, Lernmomente und bleibende Prinzipien.
Inhaltsverzeichnis
- Die Mailbox – Eric’s BueroServ Box
- Die Hauptmerkmale vom FidoNet
- Monatliche Treffen in Rottenburg
- Ein Beispiel aus der Praxis
- Das Internet – die Website
- Das Alter einer Website bestimmen
- Brücke: Dezentralität und digitale Souveränität
- Praxis-Checkliste
- Abschließender Hinweis
Die Mailbox – Eric’s BueroServ Box
Meine Anfänge waren im FidoNet – mit eigener Mailbox und einem Setup, das man nicht nur nutzte, sondern verstand und selbst verantwortete. Kommunikation bedeutete nicht „App öffnen“, sondern Verbindungen herstellen, Systeme betreiben und Verfügbarkeit aktiv organisieren.
+--------------------------------------------------------------------+ | Eric’s BueroServ Box | +--------------------------------------------------------------------+ | | | Telefon / Leitungen | | ---------------------------------------------------------------- | | • 07452-87155 analog 33.6 ELSA | | • 07452-87154 ISDN X.75 V.42B | | • weitere Lines: | | - 2 × 28k8 ELSA TQV | | - 3 × 64k ISDN X.75 | | | | Dienste / Netze | | ---------------------------------------------------------------- | | • Support-Mailbox für diverse PC-Zeitschriften & Magazine | | • FidoNet: 2:246/2004 | | • Netze: GerNet, VirNet, PCONet, SWF3Net | | | | Inhalte | | ---------------------------------------------------------------- | | • Immer ganz aktuelle deutschsprachige Shareware | | direkt von den Autoren | | | | • Hauptverteiler / Host des BueroServ Netzwerks | | | | • Homepage im Internet: | | http://www.bueroserv.de | | | | Angebote | | ---------------------------------------------------------------- | | • DS – Deutschsprachige Shareware Autoren & Händler Vereine | | • Autoren- & Firmensupport / geschlossene Benutzergruppen | | • Werbung / Supportmenüs / 24h Betreuung | | von Fachpersonal | | | +--------------------------------------------------------------------+ | Eric’s BueroServ Box – seit 1990 online | +--------------------------------------------------------------------+
Rückblickend war das prägend: Technik war unmittelbar. Grenzen waren sichtbar – und genau dadurch entstanden Verständnis, Disziplin und ein gesundes Gefühl für Verantwortung.
Die in der Übersicht dargestellte technische Infrastruktur war nicht Selbstzweck. Über diese Mailbox wurden Shareware-Programme zahlreicher freier und kleiner Entwickler verteilt, gepflegt und regelmäßig aktualisiert. In Zeiten hoher Nachfrage waren die Leitungen stark ausgelastet – die „Drähte glühten“ im praktischen Betrieb.
Der Vertrieb erfolgte nicht ausschließlich online. „BueroServ“ wurde ergänzend auch über Disketten verbreitet, um Anwender ohne dauerhafte Verbindung oder mit begrenzten technischen Möglichkeiten zu erreichen. Die Kombination aus Mailboxbetrieb und physischem Datenträger war zu dieser Zeit üblich.
Aus dieser Tätigkeit entstand ein kleiner, aber realer Verdienst, der das Hobby teilweise refinanzierte. Der Betrieb war ordnungsgemäß als Gewerbe angemeldet und rechtlich korrekt geführt.
Zur Unterstützung des Betriebs wurden frühzeitig drei ISDN-Leitungen in einem Raum durch die Telekom bereitgestellt. Dies war im regionalen Umfeld ungewöhnlich und verdeutlicht den Stellenwert, den der Mailboxbetrieb zu diesem Zeitpunkt hatte.
Parallel zum Betrieb der Mailbox entwickelte sich eine intensive fachliche Auseinandersetzung mit Betriebssystemen und Systemarchitekturen. Der eigene technische Weg führte dabei von frühen Systemen wie CP/M über IBM OS/2 weiter zu Windows NT und schließlich zu Microsoft-basierten Netzwerkinfrastrukturen.
Diese Entwicklung war nicht theoretisch, sondern praxisgetrieben. Der Betrieb eigener Systeme, der Umgang mit Mehrbenutzerumgebungen, Netzwerken und Stabilitätsanforderungen bildeten die fachliche Grundlage für spätere professionelle Tätigkeiten.
Rückblickend war diese Phase der Grundstein für die spätere unternehmerische Ausrichtung. Die in dieser Zeit erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen mündeten konsequent im Aufbau der Firma „Eric Beuchel e.K. – IT & Organisation“.
Wer ein System selbst betreibt, versteht Verantwortung anders: nicht als Option, sondern als Voraussetzung.
Die Hauptmerkmale vom FidoNet
Das FidoNet war ein frühes, dezentrales Kommunikationsnetzwerk – technisch wie sozial. Typische Kennzeichen waren:
- Speicher- und Weiterleitung: Nachrichten wurden zwischengespeichert und zeitversetzt weitergeleitet.
- Private und öffentliche Nachrichten: Neben privater Kommunikation gab es öffentliche Foren (bekannt als Echomail).
- Dateiübertragungen: Austausch von Software und Dokumenten war integraler Bestandteil.
- Kompatibilität: Verschiedene Softwarelösungen konnten betrieben werden, solange die Protokolle eingehalten wurden.
- Modulare Struktur: Knoten, Hubs und Gateways waren unabhängig und erweiterten das Netz organisch.
- Gateways: Verbindung zu anderen Netzen war möglich, ohne das Grundprinzip der Dezentralität aufzugeben.
Monatliche Treffen in Rottenburg
Ein wesentlicher Bestandteil der damaligen FidoNet- und Mailbox-Zeit waren persönliche Treffen. In regelmäßigen Abständen fanden in Rottenburg monatliche Zusammenkünfte statt, bei denen sich Betreiber, Nutzer und Interessierte austauschten.
Diese Treffen waren kein formelles Vereinsleben, sondern praxisnah und offen organisiert. Im Mittelpunkt standen Erfahrungsaustausch, technische Fragen, gemeinsame Problemlösungen und nicht zuletzt das persönliche Kennenlernen der Menschen hinter den Systemen.
Gerade dieser direkte Kontakt prägte die damalige Netzkultur nachhaltig. Diskussionen, die online begannen, wurden vor Ort vertieft. Technische Konzepte, Netzregeln und Weiterentwicklungen entstanden häufig aus diesen Gesprächen heraus.
Die monatlichen Treffen zeigen, dass frühe digitale Netze nicht anonym waren. Technik, Kommunikation und Gemeinschaft waren eng miteinander verbunden.
Rückblickend wird deutlich, dass diese persönlichen Begegnungen wesentlich zur Stabilität und zum respektvollen Umgang im Netz beitrugen. Sie stehen exemplarisch für eine Zeit, in der digitale Kommunikation bewusst mit realer Verantwortung verknüpft war.
Ein Beispiel aus der Praxis
Zur Verdeutlichung hier ein Beispiel eines klassischen Modems / Netzwerks in Aktion. Solche Gerätschaften prägten die Zeit und machten die Mechanik der damaligen Kommunikation unmittelbar erfahrbar.

Das Internet – die Website
Mit dem Internet änderte sich vieles: Reichweite, Geschwindigkeit und Möglichkeiten. Gleichzeitig verschob sich die Verantwortung. Aus vielen selbst betriebenen Knoten wurden Dienste, die andere betreiben – und damit neue Abhängigkeiten.
Die damaligen ersten Websites waren oft statisch, bewusst einfach und direkt verständlich – kein Produkt, sondern Veröffentlichung: klare Struktur, direkte Inhalte, geringe Komplexität.

Solche frühen Seiten zeigen, wie Inhalte damals unmittelbar und ohne Fremdabhängigkeiten publiziert wurden – ein Kontrast zur heutigen Plattformlandschaft.
Das Alter einer Website bestimmen
Das Alter einer Website kann aus verschiedenen Gründen beachtenswert sein: historische Einordnung, Kontextprüfung oder digitale Dokumentation. Diese Werte sind selten absolut, weil Archive Lücken haben und Inhalte nicht kontinuierlich erfasst wurden.
Typische Ansätze zur groben Bestimmung:
- Webarchive: Snapshot-Historie und Zeitachsen der Seite.
- Domainregistrierung: Hinweise auf Änderungen des Namensraums.
- Interne Indizien: Copyright-Zeilen, alte Navigation oder textuelle Hinweise.

Brücke: Dezentralität und digitale Souveränität
Viele heutige Diskussionen zur digitalen Souveränität wirken neu, sind es aber nicht. In der Mailbox-Zeit war Souveränität gelebte Praxis: Systeme waren lokal, selbst betrieben und damit kontrollierbar. Abhängigkeiten waren bewusst eingegangen, nicht implizit akzeptiert.
Ein System, das ohne fremde Dienste nicht mehr funktioniert, ist nicht unabhängig. Digitale Souveränität beginnt dort, wo Alternativen real existieren – nicht nur theoretisch.
Dieser Rückblick ist daher auch ein Herkunftspunkt für eine heutige Haltung: Komfort ist nützlich, aber Kontrolle ist dauerhaft.
Praxis-Checkliste
- Sind Erinnerungen (Texte, Screenshots, Dateien) in einem offenen Format gesichert?
- Gibt es eine verständliche Einordnung von Begriffen und Kontext?
- Ist klar zwischen Zeitdokument (biografisch) und Standard (heute) unterschieden?
- Bleibt der Text auch ohne externe Links verständlich?
Abschließender Hinweis
Diese Seite ist bewusst persönlicher als andere Artikel im EDV-Archiv. Sie ist ein Rückblick auf einen Ursprung und zugleich eine Erinnerung daran, dass Netze nicht nur aus Technik bestehen, sondern aus Haltung, Regeln und Verantwortung.
Dieser Artikel ist kein Technikleitfaden. Er dient als biografische Kontextseite und Bezugspunkt für spätere Grundsatzartikel zu Dezentralität, Datenhoheit und digitaler Souveränität.
Eric Beuchel
Varta
Eric Beuchel