Warum ich Bilder und Negative für ein digitales Archiv scanne
In meinem privaten Fundus befinden sich Bilder und Negative von meinen Großeltern, meinem Vater, weiterer Verwandtschaft und natürlich von mir selbst. Diese Bestände sind über Jahrzehnte entstanden und besitzen für mich einen ideellen und dokumentarischen Wert, der deutlich über eine reine Nutzung für Veröffentlichungen hinausgeht.
Daraus ergab sich früh die Frage, zu welchem Zweck diese Bilder digitalisiert werden sollen und welche Anforderungen sich daraus an Arbeitsweise, Qualität und Dateiformate ergeben.
Für welchen Zweck
Im privaten Bereich haben sich für mich im Laufe der Zeit unterschiedliche Prioritäten herausgebildet, die sich auch in verschiedenen Arbeitsweisen widerspiegelten. Dazu gehörten unter anderem variierende Scanauflösungen, unterschiedliche dpi-Zahlen sowie automatische oder manuelle Nachbearbeitungsschritte.
Heute steht für mich nicht mehr die kurzfristige Nutzung einzelner Bilder im Vordergrund, sondern der Aufbau eines belastbaren digitalen Archivs. Bilder werden daher grundsätzlich als Rohdaten gesichert und nur dann weiterverarbeitet, wenn dies für eine konkrete Nutzung erforderlich ist.
Die Archivierung erfolgt in Formaten wie TIFF oder DNG. Erst beim gezielten Export aus dem Archiv – beispielsweise für Veröffentlichungen – werden die Bilder in abgeleitete Formate wie JPG umgewandelt. Für die Verwaltung, Sichtung und Verschlagwortung des Archivs kommen digiKam und Excire zum Einsatz.
Reines Archiv erzeugen
Für die Digitalisierung nutze ich SilverFast als zentrale Scan-Software. SilverFast ist dabei ausschließlich für die Erfassung der Bilddaten zuständig und spricht die eingesetzten Scanner jeweils korrekt an.
Dank SilverFast und der verwendeten Geräte nutze ich das HDRi-Verfahren mit 64-Bit Farbtiefe beziehungsweise 32-Bit für Schwarzweiß. Die Scanner liefern Rohdaten, die sämtliche lesbaren Bildinformationen enthalten. Zusätzlich werden – sofern technisch verfügbar – Informationen aus dem Infrarotkanal eingebettet.
Diese Rohdaten bilden die Ausgangsbasis für alle weiteren Bearbeitungsschritte – unabhängig davon, wann, wie oder mit welcher Software die Bilder später verarbeitet werden. Ziel ist es, eine möglichst vollständige und unverfälschte digitale Repräsentation des Originals zu erzeugen.
Warum dieser Aufwand
Papierbilder halten unter günstigen Bedingungen etwa 50 bis 100 Jahre. Archive wie das Bundesarchiv Deutschland sichern das kulturelle Gedächtnis auf Mikrofilm für Zeiträume von mehreren hundert Jahren und können dieses Material bei Bedarf erneut digitalisieren.
Ungeahnte technische Möglichkeiten in der zukünftigen Bildbearbeitung erfordern bereits heute entsprechende Maßnahmen bei der Datenerfassung. Je vollständiger und hochwertiger die Rohdaten sind, desto größer ist der spätere Handlungsspielraum.
Den Nikon Super Coolscan 5000 ED habe ich bereits zum Zeitpunkt seines Erscheinens erworben und früh für die Digitalisierung meiner Dias eingesetzt. Zusätzlich kam ein Epson-Scanner zum Einsatz, der über Digital ICE zur Staub- und Kratzererkennung verfügt.
Über SilverFast werden beide Scanner jeweils korrekt angesprochen und in den Archiv-Workflow eingebunden. Ergänzend kamen Verfahren wie Digital ROC zur Farbrestauration, Digital GEM zur Reduzierung von Filmkorn sowie Digital DEE zur Verbesserung der Detailzeichnung in Lichtern und Schatten zum Einsatz.
Die so erzeugten DNG-Bestände werden regelmäßig überprüft und bei Bedarf in neue Speicherumgebungen migriert, um langfristige Lesbarkeit und Integrität sicherzustellen.
Fazit: Der Aufwand bei der digitalen Archivierung von Bildern und Negativen ist hoch. Betrachtet man jedoch Materialalterung, technische Veränderungen und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten, ist dieser Ansatz für mich die einzig nachhaltige Lösung.
pixabay
Eric Beuchel
KI-generiertes Bild mit DALL·E (OpenAI) via ChatGPT, basierend auf eigener Bildidee
KI-generiertes Bild mit DALL·E (OpenAI) via ChatGPT, basierend auf eigener Bildidee